Paul Krieger
 Texte und Sprache

AFRIKA & HIMBEEREIS

Afrika - der Titel dieser Gedichte. Es sind Gedichte aus einer dunklen Zeit, sehr düster und nahe an der Ewigkeit. Afrika eben. Heiß zum Erfrieren, doch die Sonne war - fast - immer da.

Wie schön Schwarz glänzen kann.

Ich werde hier die meisten der Gedichte zum Lesen freigeben - wer kauft schon Gedichte? Mir ist lieber, sie werden gelesen.

Sie werden auch demnächst als kleiner Gedichtband erhältlich sein.

Bitte denkt daran: Die Gedichte sind copyright geschützt. Also postet keines davon, weil es euch aus diesem oder jenem Grund gefällt. Fragt hier beim Autoren an, wenn ihr so etwas vorhaben solltet. Danke.







HOFFNUNG AUFS EIS

________________________________

 

 Wir verstehen uns bestens wenn

die Sonne am Sternenhimmel steht

und der Mond noch nichts vom

Untergehen weiß

 

Möchtest du ein Stück Kuchen

fragte sie oder ein Himbeereis?

 

Über den Wolken sollst du allein

meine Heimat sein Wird der

Kuchen alt und bricht und brökelt

führt uns die Spur zurück zum Eis

 

 






Afrika denn die Liebe ist kein Tier für eine Nacht

______________________________________________________

Noch schien die Sonne in diesem Land ein

Grund zu bleiben und wir wanderten weit

über goldne Felder und wagten uns

weiter hinaus in die freie Natur

wo einer uns entgegen kam doch

lachend ließen wir den Mann seinen Witz

nicht bis ans Ende erfragen und wir

trollten uns weiter bis plötzlich unsren

Schritt des Löwen Brüllen aus tiefster Qual

zerriß und erschrocken starrten wir in

des andern Augen und du und ich wir

dachten beide eines - die Pein drang

uns durch Mark und Bein und wir hasteten

mit den entsetzten Ausflüglern zurück

 

Zuerst war ich schneller Dann dachte ich

zitternd an dich und voll Scham hielt ich

keuchend deinen Schritt und als wir die

ersten Häuser blickten entschieden wir

uns kopflos für die engen Straßen wo

an brökelnden Fassaden das Gebrüll

sich waidwund brach Wir aber fühlten

uns jetzt sicher vor den hohen Häusern

Viel später erst dachten wir an jenen

Menschen dessen Wunde nicht einmal die

Finger zuzuhalten vermochten und

der den Krebs den Eiter den Gestank dort aus

seinem eignen Leib nun nicht mehr ertrug

drum sich draußen zu verstecken suchte


7/4/88 - 20-MINUTENLIEBE IM STRASSENCAFE

________________________________________________

Liebste! Haben wir uns nicht geliebt?

Tief bin ich in dich gedrungen

tief hast du mich empfunden dort

in den ersten warmen Strahlen im

Freien unterm klaren blauen Licht

 

Fragst du nach Beweisen? Aber sag

was schien da nur durch dein Lächeln

als das Mädchen das Kaffee servieren

sollte sich endlich bei den Tischen

sehen ließ was sagten meine Augen

 

deinen da denn wohl? Leichtgefallen

war mir nicht mich zu erheben ohne

Gruß gar obendrein Ganz sicher zu Liebe

nichtzu Reue war ich fest entschlossen.




















UNBEKANNTES LÄCHELN AM STRASSENRAND

_____________________________________________


In deinen Augen

lauert der Sommer

In deinem Herzen

wartet die Nacht

Ich - bin

der Hecht

Ich hächele

Herz

_______________


In meinem Herzen

geht es wild und 

ziellos zu

Ein stetes Kommen

und Gehen lässt

Zügel schleifen

und wahllos in

die Irre gehn

Ist denn niemand da

der das Ding voll

Wahrheit will?





DER TAG AN DEM MARTIN WALSER IN ROM

____________________________________________

 

Es ist erst Dienstag und schon wieder liegt

die Welt mit sich in Streit Da wird sich

verleugnet an Geschäftstelefonen

In den Korridoren wird gestritten

 

Auf den Straßen weiß man die Uhrzeit nicht

torkelnd schafft sich mancher listig auf die

Seite gegenüber In den Zügen

wird sich geschlagen und nebendran -

wird nicht geliebt die Droge ist's die's zu

beruhigen im Körper der Liebsten

gilt Betreten blickt man fort von dort

 

Eine Hure lädt den Fremden arglos ein

zu sich ins Heim doch der traut keinem

Lächeln mehr schlägt das Angebot folglich aus

 



Vom armen Hund

____________________________


Nichts zu beißen

Aber wenn ihm

der Geruch

in die Nase steigt

vergisst er jeden Hunger

und säuft sich satt

am eigenen Gesabber


TIEFKÜHLFACH

 _____________________


m Brummen des

Kühlschranks mich

auf ewig verlieren

Wär das kein Ziel?

 

So ganz in Weiß

und für immer

taufrisch konserviert

 


Ideale Beziehung

________________________


Die Wildfremde

die gefällt anquatschen

auf teufelkommraus

und zum Wechseln 

eines Wortes bewegen

und es dann

dabei belassen



NO NAME PRODUCT - DIE WEISSEN

 ____________________________________________________


Aufgerissen

angeschleckt

ausgeschlürft

ausgesoffen

und leer

 

Besser

weggeworfen

dann das

unbeschriftete

Ding



Kleiner Mann was nun?

_____________________________________


Nicht mehr angehimmelt

angebetet und ein anderer

der ihr im Kopf umgeht

Wo ist sie geblieben

diese Selbstsicherheit

sowie dein Schlaf?


Nach der Nachricht

______________________________


Der Hund

hat Krebs

Die letzten Tage

gemeinsam



VERHINDERTER SUIZIDIST

__________________________________


Das Wasser zu nass

die Hölle zu heiß

ich kauf mir lieber

ein Himbeereis




NACH EINEM NEUEN LÄCHELN

_______________________________________________


Sehnsucht fraß sich

fett im Kopf

und verdaute nachts

 

Da stand er auf blickte

vom Himmel zum Meer und

trieb dem Morgen entgegen

 

Wie Eis in der Sonne

lag tags darauf

die Hoffnung in der Hand


Mär vom letzten Bus

_______________________________


Einfach der Laune nachgehangen

nicht gegangen und der Lust

ein wenig eins gefächert

Selbst hin auf die Gefahr

Nachtstunden da den letzten

Anschluss verpasst

zu Fuß zu verbringen

den schneidend kalten Wind

im Rücken und im Hemd

Wow.... oder immer?

Es wird selbst in diesen

leergelaufnen Stunden

noch verkehrt





GENOSSEN UND DAHINGEGEBEN

_________________________________________________


Ein unheimlich guter Geruch

ging da gerad an mir vorbei

Zitrone Mandel + Spekulatius

frisch gebacken noch warm

und dampfend der Teig in der

abendlichen Sommerstadt

 

Tief saug ich an der köstlich

wilden Luft bevor beschwingt

ein Windhauch sie davongeweht


AUGENBLICKE

____________________


Schillernd funkelnd

brodelnd Ein Stück

Ewigkeit steigt aus

unergründlicher Tiefe

Das taut verheißungsvoll

die Angst davon

 

So eng jedoch plötzlich

der Blick und seltsam

vertraut das Schnüren

im Brustkorb Es treibt

 

selbst im Paradies die

Heizung nicht so recht

voran gibt eine Stimme

heiser hustend mir da ein









0.41:  EINGELADEN

___________________________

 

Suche Milch und Zucker

für meinen Kaffee Schwarz

soll er sein vor Ort dort

 

Will kein Fremder in deinem

Bett sein wenn ich da verkehre

Dreimal denke ich wie es wohl

zu erreichen sei am Morgen

aufrecht von dir dort zu gehn

 

Suche Milch und Zucker

für meinen Kaffee Bitter

will ich nicht von dir gehn.

CHEMIE

_____________

 

Möcht mich in deiner Chemie                      

verlieren für eine ganze
lange Nacht Möcht deiner

Wärme um mich nachspüren

 Du da

den Wunsch hast du entfacht

Für eine letzte lange Nacht

möcht ich in dir verglühn




MONDO CANNIBALE

_______________________________________________

 

In den gelben Tälern

deiner Nikotin zer-

nagten Angst schlürf

ich schmatzend

mich entlang Dort

steig ich nieder

 

und lach befreit +

laut dann auf da

ich bemerke dass

alles verdaut und

mir ein weitrer

Tag gerad gewährt


TROST

_________

 

Letzte Nacht                

unterm vollem Mond
hab ich Gott mein
Leid geklagt

 

Worauf der sich

am Ohr kratzte

und mich dann

sehr fest umarmte













WAS WIR WIRKLICH WOLLEN

_____________________________________________

 

Wenn sich dort

der Abend

kurz und bündig

vor den hohen

Himmel klebt

 

für drei Minuten

rot den Streifen

Licht uns läßt

 

wird hocherfreut

hineingestürzt

und ausgelebt

 

Wisse: Was wir

wirklich wollen

wird immer wahr

 

 

BAYERIN IN DISCO OHNE NAMEN

______________________________________________________


Die schönste Frau von Bayern

nehm ich mit mir zu mir nach Haus

Pack sie fest in meinen Kopf

und laß sie nicht mehr raus

 

Ich leb mit ihr die Sonne raus

sowie den schlimmsten Regen

Wenn's mal zu arg herunterkommt

wird sie schon 3 Pfund Wärme geben







GEWONNEN ODER WAS SAGT IHR BLICK?

____________________________________________________

 

Sie schaut mich böse an

während ich sie weiterhin

durch ein feines Lächeln

zu erobern suche

 

Das aber wandelt grat droht

abzustürzen unter ihrem

Blick der unverändert

kalt mir scheinen will

 

Nicht so böse murmle ich

kaum hörbar da aber öffnet

sie bereits die Lippen und

spricht mich an

 

Die wichtigsten Seiten fehlen

sagt sie zu mir und deutet lächelnd

auf die Zeitung auf ihrem Schoß

 

VON SOMMERN UND SCHWIMMERINNEN

__________________________________

 

Komm! du meine Göttin heute mein

Herz gefaßt komm wir schwimmen

einfach nach Amerika ja? und

laß uns so tun als wüßten wir

tatsächlich nicht wo ein jedes

Leuchten doch erlischt

wo jedem Strahlen die Puste ausgeht

 

Ja? Komm komm! Ich bin jedenfalls

auf der Stelle bereit den Grund

unter meinen Füßen zu verlieren

und leichten Herzens

versinke ich liebendglühend gern

dort in den blauen Fluten

Wo? fragtest du mich jetzt sagte ich

könnte da auch nur eine

weite Welle Kälte sein!









GRATWANDERUNG - EIN FREMDES BETT

__________________________________________________

 

So steigen wir auf und wenn am Gipfel

angelangt froh die Sonne geschaut weil

die ein wenig näher scheint und sodann

wieder bergab und unten angelangt

 

Zerschlagen und mächtig entkräftet

aber froh da frei Nachts im eignen

Bett irgendwo zwischen spastischem

Zucken und ungeschnittnem Zelluloid

 

tobt im Kopf die Frage warum denn nicht

in den Nächten allein dort oben beim

Berg Zuflucht vor Sturm und Eis gesucht

 

nicht in seinen Bauch gekrochen und mit

seinem Schnee ein schützendes Zelt erbaut

wie's die Natur uns doch eingegeben?

UNSER TÄGLICH BROT

_______________________________

 

Unser täglich Fleisch

gib uns heute und

eine zärtliche Hand

und einen warmen Mund

auf daß wir

satt zu Bette

gehn





ORGASMUS

___________________

 

Sie lächelt blöde

Er wird wütend

 

Sie lächelt blöder

Sein Zorn nimmt zu

 

Sie jauchzt

Er vergräbt den Kopf

um nichts zu hören

DEM MENSCHEN NAH

________________________________________

 

Warum da

nicht das Gefühl

ich existiere

bin ich

dir nah

sondern einzig

dass ich vegetiere?


REINGEFALLEN

_____________________


So ausgehungert nach

einem Lächeln dass

gleich am erstbesten

fest verbissen

SELBST IM SÜDEN

__________________________

 

Als die Sonne heute morgen

kleinlaut den Wolken

das Feld überließ und

ohne Widerrede den Wind

die Luft zu Eiskristallen

mahlen ließ wurd es endlich

eingestanden

 

Draußen klebt es nun kalt

und schwarz vorm Himmel

 

Die Jacken sind fest verschlossen

die Mützen tief ins Gesicht

gedrückt und keiner kommt

der fragt wie weit es noch

zum Sommer ist



ALL-TAG

_____________

 

Wir haben die Liebe

nicht geträumt wir

sind wahrhaftig zu

den Sternen geflogen

was man daran sieht

daß uns unvermutet

der Sprit ausging

 

So ließen wir uns treiben -

doch ohne Energie klappte

die Steuerung nicht mehr

so recht und einer von uns

landete auf einem fremden

Stern während der andere

hilflos im All hinglitt


Fragezeichen

___________________

  

Mehr als du denkst

ist ruiniert

Lang tagt Totalität

dem Tag entgegen

 

Dann schlafen wir

erschöpft bis

zum Wiedersehen

 

und lassen

dem Himmel

seine Chance

am Morgen



BEISSEN ODER SCHLAFEN

_____________________________________

 

Es ist nie zu spät

 

sagtest du

dachten wir

 

Bang

wandern wir

dem neuen Tag

entgegen

KURIERTE LUSTSEUCHE

_______________________________

Sie ist von mir gegangen

wie ein böser Traum

ist sie davon geflogen

 

Bin erleichtert

Die reine Luft zu atmen

fällt mir am Morgen schwer




VERGEBLICHE FLUCHT

 _______________________________

 

Keiner da zwischen ihm und

dem dort oben

und mit den Gedanken

kommt er nicht klar

 

Sucht folglich

gemeinsam zu

vergessen

          .      .    


SEHNSUCHT

__________________

  

Immer mal wieder

lodert sie hoch

und heilig auf

weil da so ein

wundersamer

Windstoß

geht

 

fällt

dann doch

gleich zurück

in die Glut die

zum Selbstverzehr

nur noch da dort in

ihrem ausgeglühten Rot



TERMINI:ABFAHRT METRO

____________________________________

 

Lehnt denn da nicht Anna an der Tür der

Frontpartie die ich verließ weil sie mich

so liebte? Und da vorn auf jener

roten Plastikbank sucht lautlos Veras

Hand im braunen Haar nach Zeit und großen

 

Gefühlen Und schwarz brodelt Lust und

Ja aus großen Augen - Diana

die sich entzog bevor sie zugesagt

Die Sehkraft läßt nach und kalt klebt die Wut

von Schweiß befreit Abfahrt Zischend

 

fahren die Türen zu und sanften Drucks

dreht es um 90 Grad dort mich wo ich

mich grad festhalte Ein Achselzucken

spüre ich und blick dort auf den Boden


SCHLÜSSELTAUSCH

_____________________________

 

Die alten Schlüssel entferne ich vom

rostbefleckten Schlüsselbund sowie die

Ränder unter meinen Fingernägeln

mit einer abgeschabten Feile gleich

 

Bis auf zwei Kofferschlüssel trag ich den

Bund für eine ganze Weile in der

Hosentasche nun leer mit mir herum

unter Palmen und blauem Himmel und

verwundert stell ich seiner Leichtigkeit

in meinen Kleidern nach weil kein Bart sich

am zerschlissnen Futter reibt noch scheuert

 

Neue Schlüssel zieh ich dann auf und wäge

Form und Größe Grundverschieden sind

sie nicht nur leichter scheint mir ihr Gewicht









VOM GLÜCK AUF DER ANDEREN STRASSENSEITE

________________________________________________

 

Denk ich an dich seh ich ein Fragezeichen

Hinter dunklen Fenstern späh ich nach dir

Ein Tag ohne dich dort gegenüber

ist trostlos wie ein leergelaufnes Meer

 

Wasser und Sonne das bist du mir und

nie werd ich das Sonnendeck vergessen

und deine braune feste Haut und die

Unbekümmertheit mit der du den Kopf

 

voraus in den kalten See gesprungen

Wir alle - drei Männer dabei dein Mann

bewunderten deinen Mund und lachten

als du mit Tempos zum Ufer hin schwammst

 

Strand und goldner Sand zwischen den Fingern

den der Wind nie rauben kann?