Paul Krieger

Tex und Sprache

 

Don Casi von der traurigen Gestalt

Geht es um Liebe oder um Terrorismus oder beides? Don Casi, Musiker durch und durch doch ohne jeden Erfolg verlässt die Heimat, geht nach Rom, hofft dort auf die Inspiration. Doch es kommt natürlich anders als er denkt.

Eine Novelle, sie erscheint nun noch in 2020, zu lange hat sie in Schreibers Stube ungelesen gelegen.

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Nach einer langen Bahnfahrt, die durch den Nachmittag, den Abend und die Nacht geführt hatte, über zwei Grenzen hinweg, durch flaches Land und mächtige Berge, stieg er, den roten Rucksack auf dem Rücken, den zerstoßenen Lederkoffer in der Hand, die Trittstufen des Waggons hinab und blickte sich fröstelnd um.

Manche sagten, er fliehe. Wegen des Geldes, das er aufgeteilt zwischen Koffer und kleinem Leder-beutel um den Hals verwahrte?

Er blickte überrascht auf den Asphalt des Bahnsteigs, hörte die vielen Stimmen der Aussteigenden und Wartenden, er verstand kaum ein Wort.

Flucht oder letzte Hoffnung zum Leben hin? Was bleibt dem Mann, der geglaubt hatte, die Liebe sei die Kraft, die schöpfe? Der bereit gewesen war, sich ihr ganz zu unterwerfen? Mochte auch die ganze Welt sich gegen ihn verschwören, so gäbe diese Liebe ihm die Kraft, Mauern niederzureißen, die ihn hindern wollten, sich aufrecht zu leben. Die Liebe hatte ihn befreien sollen von jedem Zweifel, der ihn an seinem Vorhaben hatte hindern wollen. Er hatte tatsächlich gewagt, den Menschen zu leben, der in ihm gewachsen war.

Was bleibt dem Menschen, dem die Liebe sagte, sie fordere einzig seine Leidenschaft, mit dem Leben finde er sich gefälligst allein zurecht? Was blieb ihm, der an der eigenen Kälte zu erfrieren droht?

Er war einer, der sich nicht fügen wollte. Einer, der ganz sich allein lebte. Er war glücklich, fand er sich an seinem billigen Klavier und komponierte. Konnte das jedoch genügen, ein ganzes Leben zu bestreiten? Zumal keiner ihm zuhörte und er sich nie nach außen zwang?

Ob er Talent hatte? Nun ja, bisweilen habe sein Geklimpere recht nett geklungen, würden Freunde und Bekannte achselzuckend erklären. Goldene Finger habe er gerade nicht, im Radio oder Fernsehen sei er nie aufgetreten. Wie aber könne Mittelmäßigkeit Bewegendes schaffen, etwas, das mitrisse, würden sie hinzufügen. Er habe niemals einen Anzug besessen, nie habe er sich sonderlich herausgeputzt und Konzerte habe er niemals besucht. Was seinen Stil betreffe, habe er mal klassisch, dann wieder Rock, dann schrecklich verrückten Zwöflfton- oder Discomist gespielt. Oftmals habe man sich gefragt, wie er über die Runden käme. Gelegenheitsjobs, von der Hand in den Mund, nein, unvorstellbar, uns könnte so ein Leben ohne jede Sicherheit und Anerkennung nicht genügen. Es sei einfach nicht zu begreifen, wie er das so lange ausgehalten habe. So würden die Freunde dieses Mannes heute erklären.

Er zitterte, als er tief durchatmete. Das Gepäck drückte, obgleich er meinte, sich auf das Notwendigste beschränkt zu haben: ein paar Pullover, drei Paar Jeans, vier Paar Socken, Unterwäsche; Walkman und Kassetten; zwei Bücher, ein Gedicht, Zitate in einem Heft, die er vor langer Zeit in Büchern gelesen hatte. Und drei Bilder.



Die Novelle wird 2020 erscheinen.



















 

 
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